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↑ Gedanken

ISO-Invarianz
2026-04-06 ISO, Kameratechnik

Über das ISO-Video von MinutePhysics bin ich auf die Seite Photons to Photos aufmerksam geworden. Diese Seite enthält viele Informationen über Kamerasensoren.

Besonders spannend fand ich die Vergleichsgrafik, die für verschiedene Kameramodelle anzeigt, bei welcher ISO-Stufe es für dunkle Bildbereiche egal ist, ob man sie bei der RAW-Bearbeitung später erhöht oder wann es besser ist, dass die Kamera direkt bei der Aufnahme die richtige ISO-Einstellung haben sollte, da man dunkle Bildbereiche später sonst nicht mehr bzw. nur noch um den Preis sehr starken Rauschens retten kann.

Folgende Grafik zeigt die Werte für meine Kameras. Die X-Achse gibt den ISO-Wert an und die Y-Achse den Unterschied (!) des Lichtwertes (oder EV Exposure Value) im Vergleich zum Basis-ISO-Wert (i.d.R. 100) an.

Man liest es so:

  • Im Vergleich zu einer höheren ISO-Einstellung bei der Aufnahme:
  • wie viel schlechter wäre es, die Helligkeit erst im RAW-Konverter nachträglich zu erhöhen?

Konkret für diese Grafik hier:

  • Wenn man ein Foto mit ISO 800 macht, dann werden die dunklen Bildbereiche weniger Rauschen haben und mehr Details aufweisen, als wenn man das Foto stattdessen mit ISO 100 gemacht und es später in der RAW-Bearbeitung auf die äquivalente Helligkeit von ISO 800 aufgehellt hätte.
  • Mit der Canon EOS 6D Mark II (grüne Kurve) würde eine nachträgliche Aufhellung einem Unterschied von etwa 2,2 EV in dunklen Bereichen entsprechen.
  • Mit der Canon EOS R6 Mark II (orange Kurve) würde eine nachträgliche Aufhellung einem Unterschied von etwa 0,8 EV in dunklen Bereichen entsprechen.

Der Lichtwert EV ist logarithmisch! Das heißt, 2,2 EV ist gegenüber 0,8 EV ungefähr 2,6-fach schlechter.

Das deckt sich mit meiner Erfahrung: Bei meiner relativ neuen Canon EOS R6 Mark II kann ich die Belichtung nachträglich viel mehr anpassen, ohne dass das Rauschen zu einem Problem wird. Bei meiner alten 6D Mark II war ich gezwungen, unbedingt bei der Aufnahme schon einen relativ passenden ISO-Wert zu wählen, da es sonst in der Nachbearbeitung sehr schnell zu rauschen angefangen hatte.

Was lernen wir hieraus?

  • Moderne Kameras verzeihen in Bezug auf nicht-optimale ISO-Einstellungen viel mehr als alte Kameras. Das Schlagwort dazu ist ISO Invarianz: Es ist fast egal, ob man die Helligkeit über den ISO-Wert bei der Aufnahme oder erst nachher in der Nachbearbeitung festlegt.
  • Man kann gut sehen, wie genau man mit der eigenen Kamera sich mit der richtigen ISO-Einstellung direkt bei der Aufnahme beschäftigen muss.
  • Diese Seite ist eine gute (weitere) Quelle, um Kameras (z.B. vor einem möglichen Kauf) vergleichen zu können.

Du bist Fotograf/Künstler und würdest so eine Webseite auch gerne haben? Sprich mich an.